Willkommen auf meiner Internetseite zu Istanbul. Hier findest du alle möglichen Informationen, Berichte und Auskünfte über die Stadt am Bosporus. Wenn du Anregungen und Tipps für deine Reise suchst, bist du hier genau richtig. Aber auch dann, wenn du dich für die Geschichte und Kultur der wichtigsten Stadt der Türkei interessierst.
Istanbul ist mit rund 16 Millionen Einwohnern nicht nur die größte und wichtigste Metropole der Türkei, sondern auch das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes. In jedem Stadtteil und fast jeder Straße gibt es etwas Interessantes zu sehen. Diese Internetseite soll dir dabei helfen, dich in Istanbul zurechtzufinden. Ich berichte hier von den Sehenswürdigkeiten und Attraktionen und versuche, nützliche Reisetipps zu geben. Viel Spaß beim Lesen.
Istanbul und Denkmalschutz
Als der italienische Reisende Edmondo de Amicis Istanbul im ausgehenden 19. Jahrhundert bereist, verschlägt es dem ansonsten so wortgewandten Lebemann zunächst die Sprache. In seinem retrospektiven Reisebericht skizziert er die Stadt am Bosporus dann in umso lebendigeren Bildern. Seine Beschreibung der farbenfrohen Metropole und des quirligen Lebens sind zweifelsohne der Lektüre wert. Die Zukunft der pittoresken Metropole sieht er allerdings schon damals wenig optimistisch:
„Die Hügel werden planiert, die Wälder abgetragen und die farbigen kleinen Häuschen werden schon bald zahllosen Fabrikschloten und Fabrikhallen weichen. Unzählige riesige Gebäude werden die Horizontlinie aufschneiden, gerade und rechtwinklig angelegte Straßen die Stadt parzellieren […]”
Wer Istanbul heute bereist, wird de Amicis’ traurige Prognose leider bestätigt finden. Die radikalen Modernisierungen des 20. Jahrhunderts – allen voran die fragwürdigen Stadtplanungen der frühen türkischen Republik – brachten die Vernichtung des historischen Bestands mit sich. Damit einher ging auch die Loslösung vom osmanischen Stadtgrundriss. Das charakteristische Altstadtgefüge Istanbuls musste der Modernität weichen, dies allerdings in einer derart schonungslosen Art und Weise, wie sie weder nötig, noch für die Stadt verträglich war.
Umso ernüchternder ist die Erkenntnis, dass für Istanbul noch heute keine passenden Lösungen gefunden sind. Viel zu oft müssen wichtige Themen der Stadtplanung als Wurfgeschosse politischer Scharmützel herhalten, ohne dass dabei nennenswerte Konzepte für Planung und Denkmalschutz erarbeitet werden. Auf politischer Entscheidungsebene herrscht dabei fast immer Achtlosigkeit gegenüber dem Historischen. Überall dort, wo die Existenz eines alten Bauwerks mit modernen Belangen, beispielsweise dem Bau einer Verkehrsstraße kollidiert, wird fast sämtlich für das Letztere entschieden. Man kann sich in diesem Kontext dem Gefühl nicht erwehren, dass das reiche historische Erbe nicht als Reichtum und Potential – und sei es nur in touristischem Sinne – begriffen wird, sondern als ein den Fortschritt hemmendes Joch.
Will man sich nun der Problematik des Istanbuler Denkmalschutzes nähern, erscheint eine Rückblende unentbehrlich. Denn nur durch den Blick in die Vergangenheit lässt sich der gewaltige geschichtliche “Footprint” Istanbuls skizzieren und begreiflich machen, wieso diese Stadt ohne ihre historische Dimension schlicht undenkbar ist.
Die Historie Istanbuls beginnt äußerst früh. So sind die ältesten Nachweise kleinerer Besiedlungen für das fünfte Jahrtausend v.Chr. belegt. Mit der griechischen Kolonisierung im 7. vorchristlichen Jahrhundert betritt die Stadt erstmals auch die weltgeschichtliche Bühne. Als wichtige griechische Kolonie gelingt es Byzantion in den darauffolgenden Jahrhunderten, ihren Einfluss durch geschicktes Taktieren zu mehren. Durch eigene Münzprägung verfolgt sie zudem eine aktive Wirtschaftspolitik.
Einen wichtigen Einschnitt stellt die Eroberung Byzanz’ durch das römische Reich im Jahr 146 v. Chr. dar. In der Folge wird die Stadt immer wichtiger, sowohl in politischer als auch in kultureller Hinsicht. Während der Herrschaft Konstantin des Großen erfolgt schließlich die Neugründung unter dem Namen Konstantinopel. Fortan ist sie die Hauptstadt des römischen Reiches. Unter seinen Nachfolgern erfolgt eine rege Bautätigkeit. Kaiser Theodosius II. (408 – 450) lässt die bis heute erhaltene, gigantische Stadtmauer errichten. Zur Regierungszeit Justinian I. (527 – 565) folgt die Hagia Sophia (537) und damit eine der herausragendsten Bauten der Antike.
Die Phase politischer und kulturellen Blüte endet allerdings abrupt mit der Plünderung Konstantinopels durch ein Kreuzfahrerheer im Jahr 1204. Nach der Wiedereinnahme der Stadt 1261 kann der byzantinische Kaiser, trotz aller Bestrebungen, die alte Stärke nicht wiederherstellen. Nichtsdestotrotz entstehen auch in dieser unsicheren Periode bescheidene, aber trotz allem bemerkenswerte Bauten (Chora- Kloster, 1321).
Die nächste große Zäsur ereignet sich im 15. Jahrhundert, als es dem osmanischen Regenten Mehmet II. (1451 – 1481) gelingt, die Stadt 1453 einzunehmen. Die heutige Rezeption Mehmet II. beschränkt sich hier allerdings allzu oft auf seine militärische Tätigkeit. Von ebensolcher Bedeutung ist in diesem Zusammenhang das kulturelle und baupolitische Programm, dem sich der junge Sultan nach der Eroberung verschreibt. Durch eine äußerst tolerante Reichspolitik gelingt es ihm nicht nur, die Stadt neu zu beleben, sondern sie zu einem melting pot unterschiedlichster Kulturen zu machen. Eine weitere Epoche prosperierender Blüte erlebt Konstantinopel (der Begriff Istanbul kommt erst im 19. Jahrhundert in Mode) zur Zeit Suleiman des Prächtigen (1520 – 1566). Die Halbinsel wird mit Neubauten wie der Suleymaniye Külliyesi (einem Komplex bestehend aus Moschee, Bildungseinrichtungen, Hospitälern etc.) bereichert.
Die Zeit nach Suleiman wird in der Geschichtsforschung allgemein als eine Periode des sukzessiven Verfalls beschrieben. Einen Tiefpunkt in seiner politischen und wirtschaftlichen Entwicklung erlebt das Osmanische Reich im 19. Jahrhundert, wobei es sich gegenüber den industrialisierenden europäischen Mächten nicht behaupten kann. In Politik und Gesellschaft werden Versuche unternommen, sich dem als überlegen empfundenen westlichen Lebensstandard anzupassen oder diesen zumindest zu imitieren. In der Hauptstadt Istanbul zeigt sich die ‘Verwestlichung‘ im neuangelegten Stadtteil Pera (heute Beyoglu). Hier entsteht ein vollkommen europäisch geprägtes Stadtquartier, das mit der Altstadt zwar über eine Brücke verbunden, sozioökonomisch aber vollkommen davon getrennt ist. Auch der Hofstaat zieht 1865 nach Pera. Dagegen wird die Altstadthalbinsel weiterhin von der traditionellen Schicht bewohnt. Selbst heute sind die europäische Färbung Peras und die eher konservativere Prägung der Altstadt – wenn auch nicht mehr so ausgeprägt – zu beobachten.
Der stete Verfall des Osmanischen Reiches mündet schließlich in dessen völligem Zusammenbruch nach dem Ersten Weltkrieg. Die Gründung der Republik Türkei im Jahre 1923 markiert hier den nächsten großen Wendepunkt für Istanbul. Auf Anordnung Mustafa Kemal Atatürks wird Ankara Hauptstadt der jungen Republik. Der Staatsgründer verdeutlicht seine Bevorzugung Ankaras ausdrücklich, indem er Istanbul lange Zeit keines Besuches würdigt.
Die laizistische Republik, die sich klar von der osmanischen wie islamischen Tradition abwendet, arbeitet hierbei gezielt an der „ideologischen“ Umstrukturierung Istanbuls. Osmanische Bauten werden vernachlässigt oder gar demoliert. Mit der Anlage großer Straßenzüge und Paradeplätze – darunter die Erweiterung des Taksim-Platzes – soll Istanbul fortan ein säkulares, europäisches Gesicht bekommen. Eigens für diese Aufgabe wird der französische Stadtplaner Henri Prost nach Istanbul eingeladen. Von 1936 bis 1951 lenkt dieser die Geschicke der Stadtplanung. Die von ihm vorgeschlagenen und durchgeführten Maßnahmen erweisen sich dabei als Todesstoß für die historische Substanz. Mit vollkommen überdimensionierten Straßen und Plätzen wird das charakteristische Stadtbild weitgehend zerstört. Als äußerst problematisch (freilich bis heute) erweist sich der Vorschlag Prosts’ die damals vorhandenen Bahnstrecken zu demontieren und durch Busverkehr zu ersetzen. Bedenkt man, dass Istanbul – neben London – als eine der ersten Städte überhaupt über ein gut ausgebautes Bahnnetz verfügte, erscheint diese Maßnahme mehr als fragwürdig.
1951 schließlich endet die Ära Prost. Mit dem Wahlsieg der nationalkonservativen DP unter Adnan Menderes verliert der Stadtplaner den Rückhalt der Politik und wird entlassen. Seine Ideen aber finden auch unter der neuen Regierung Anwendung, diesmal allerdings unter umgekehrtem ideologischem Vorzeichen. Nun ist die Rückkehr zu osmanischen Werten die politische Parole. Der Umgang mit Istanbul bleibt jedoch derselbe. Ohne viel Rücksicht auf Bestehendes werden erneut riesige Straßen durch die Altstadt gefräst. Nationale Stärke und Modernisierung werden zu bestimmenden Leitthemen. Das Auto wird dabei Symbol und Sinnbild dieser Modernisierung. Anders als in Europa und den USA, den öffentlich postulierten Vorbildern, wird den bestehenden Bauwerken, der eigenen Geschichte, aber wenig Beachtung geschenkt.
Mit der Republikgründung beginnt damit ein bis heute andauernder Prozess, den man am ehesten als Politisierung Istanbuls umschreiben könnte. Die Stadt wird Bühne und Betätigungsfeld der jeweiligen Regierungspartei, gleichermaßen der säkularen wie religiös-konservativen. Mit möglichst großen Projekten versuchen sich die Regierenden in die Herzen ihrer Wähler zu bauen. “Schaut her“, heißt die Devise jedes Mal, “wir modernisieren das marode Istanbul“. Mal ist es eine Schnellstraße, mal eine Brücke, ein neuer Flughafen, ein neuer Stadtteil. Neuerdings sogar alles zusammen. Immer größer und immer moderner muss Istanbul werden. Eine europäische Metropole eben. Was aber wird im Zuge dieses Prozesses aus dem historischen Istanbul? Jenem, das in tausenden Jahren entstanden ist und den eigentlichen Charakter dieses Ortes ausmacht?
Mittlerweile erübrigt sich diese Frage leider vollends, denn der Staat verfolgt diesbezüglich klare Leitlinien, unabhängig um welche Regierungspartei es sich gerade handelt. Vom Schutz historischer Viertel, Karawansereien, Mauern und Medresen dürfte wohl nicht mehr die Rede sein. Wenn sich dann aber doch zögerliche Kritik gegen den schonungslosen Umbau der Stadt regt, wird diese als rückwärts gewandt und fortschrittsfeindlich gebrandmarkt.
Der 2009 verstorbene Architekturhistoriker Turgut Cansever beschreibt diesen Prozess als die Loslösung des Städters von seiner Stadt. Die Regierung baut gigantische Straßen und Wohnkomplexe. Alles wird moderner, besser und vor allem profitabler! Infrastrukturprojekte werfen immense Gewinne für die Investoren ab, während die Bodenspekulation ihr übriges tut. Istanbul wird damit vor allem eins: wirtschaftliches Betätigungsfeld der Reichen und Mächtigen. Legitimiert werden die lukrativen Riesenprojekte vor allem durch den Nimbus der Modernisierung. Alles geschehe für das Wohl des Volkes und den Fortschritt des Landes, heißt es. Tatsächlich aber verliert der Bewohner jegliche Bindung und Verantwortung für seine Stadt. Für alles wird gesorgt. Die einzig verbliebene Verpflichtung des Bürgers liegt im Konsum und im regelkonformem Verhalten. Durch das Verschwinden des Historischen schwindet schließlich auch die Identität des Ortes. Istanbul wird austauschbar. Eine Weltstadt. Eine Konsumstadt.
Was hat das heutige Istanbul dann überhaupt noch mit dem Historischen gemein, außer den geographischen Koordinaten? Es scheint, als sei auf unabsehbare Zeit hier keine befriedigende Antwort zu erwarten. Gegenwärtig ist kein Konsens darüber gefunden, wie das Bekenntnis zum Einen – zu bedingungsloser Modernisierung – mit dem Schutz des Anderen – des historischen Istanbul – zu vereinbaren ist. Denkmalschutz findet zumeist nur an besonders prestigeträchtigen Bauten (Hagia Sophia, Blaue Moschee etc.) statt, wohingegen andere Kulturgüter keine Beachtung finden. Baudenkmäler wie die Stadtmauern, das Chora- und Studionkloster oder die Zeyrek-Moschee werden seit Jahren keiner adäquaten Restaurierung zugeführt. Stattdessen wird die visuelle Präsenz historischer Bauten durch kurzsichtig angelegte Infrastrukturmaßnahmen immer weiter eingeschränkt.
Soll der verbliebene historische Charme der Stadt tatsächlich für künftige Generationen gerettet werden, gilt es für Istanbul Konzepte zu finden, die sowohl dem Modernisierungsdrang, als auch dem maßvollen Umgang mit der historischen Bausubstanz gerecht werden. Dabei gilt es, sich von der politischen Gleichgültigkeit der republikanischen Vergangenheit zu verabschieden und das historische Erbe als wertvollen Bestandteil der Stadt zu begreifen.
Für die Politik sind in diesem Kontext zweifelsohne die Tourismuseinnahmen die Hauptmotivation. Diese beliefen sich 2010 auf 15,6 Milliarden US-Dollar für die Türkei, womit der Fremdenverkehr eine gesamtwirtschaftliche Bedeutung besitzt. Aber auch über den wirtschaftlichen Ansatz hinaus muss das historische Erbe in einem größeren Zusammenhang – vor allem in seiner identitätsstiftenden Bedeutung – gesehen werden. Das hierfür erforderliche Geschichtsbewusstsein steckt hier allerdings noch in den Kinderschuhen.
Wie auch aus dem geschichtlichen Abriss deutlich wurde, ist die Geschichte Istanbuls durchweg geprägt von der steten Überlagerung von Kulturen und Einflüssen, ohne dass die aufeinanderfolgenden Zivilisationen sich jemals ausgelöscht hätten. Vielmehr war der Umgang mit dem Vergangenen von Behutsamkeit und Achtung geprägt. Exemplarisch sei hier die nach der Eroberung der Stadt vollzogene Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee genannt. Dabei wurden die figurativen byzantinischen Mosaike weder entfernt, noch zerstört, sondern lediglich übertüncht und damit für die Nachwelt konserviert.
Ebendiese nicht-destruktive Aufeinanderfolge von Kulturen führte zur Herausbildung einer einzigartigen Stadt; einem historischen Palimpsest [1], wie sie an keinem anderen Ort der Welt in dieser Form zu finden ist. Daher sollte sich auch die unsrige Gesellschaft nicht erlauben, das Vorangegangene vollends dem aktuellen Zeitgeist zu opfern. Auch heute dürfte es durchaus möglich sein, den wirtschaftlichen Anforderungen und der historischen Verantwortung gleichermaßen gerecht zu werden.
Fotos
Besuche doch mal meinen Account auf Instagram. Dort findest du zahlreiche weitere Fotos und Infos zu Istanbul. Auf YouTube lade ich außerdem Videos zu dem Thema hoch. Momentan arbeite ich an der Fertigstellung einer Fotodatenbank zu der Stadt. Wenn sie fertig ist, erscheint hier ein Link dazu.
Fußnoten
[1] Palimpsest: Eine antikes Manuskript, das mehrmals nacheinander beschriftet wurde, wobei die vorige Schrift trotz Abkratzen lesbar blieb. Hier in Übertragung auf Istanbul als eine von mehreren Zivilisationen geformte Stadt.
Zum Weiterlesen
Cana Bilsel, Pierre Pinon (Hrsg.): From the Imperial Capital to the Republican Modern City, Istanbul 2010
Edmondo de Amicis: Constantinopoli, Milan 1877
Hilary Sumner-Boyd, John Freely: Strolling Through Istanbul, London 1972
Imre Azem: Ekümenopolis. City without Limits, Dokumentation 2012
Neslihan Asutay-Effenberger: Sultan Mehmet II: Eroberer Konstantinopels – Patron der Künste, Köln 2009
Öner Meric (Hrsg): Tracing Istanbul from the Air, Istanbul 2009
Philip Mansel: Constantinople. City of the World’s Desire. 1453 – 1924, London 1998
Turgut Cansever: Istanbul’u anlamak, Istanbul 2008
Walter Hotz: Byzanz. Konstantinopel. Istanbul – Handbuch der Kunstdenkmäler, München & Berlin 1971
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